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Willkommen auf der Hompage
der Zeitschrift Forum Kirchenmusik

Heft II/2012

Sebastian Sendzik: Die Gospelbewegung in Deutschland

Evemarie Haupt: Die Stimmen stimmen

Neu im FORUM: Seiten des CEK

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Die Gospelbewegung in Deutschland
Von Sebastian Sendzik

Die Gospelmusik in Deutschland freut sich in Deutschland wachsender Beliebtheit. In Kirchengemeinden und Gesangsvereinen sprießen Gospelchöre aus dem Boden, Kenner der Szene sprechen von fast 3.500 Gospelchören mit weit über 100.000 Sängerinnen und Sängern, die jährlich ein Millionenpublikum erreichen. Und der Trend scheint weiter nach oben zu gehen. In jeder Großstadt und sogar in vielen kleinen ländlichen Dörfern entstehen Gospelchöre als Treffpunkt von Menschen, die sich in Gemeinschaft dem Singen verschrieben haben. Viele Chöre (Männergesangsvereine, Pop- und Jazzchöre, Kirchenchöre), die sich selber nicht als Gospelchöre bezeichnen, können sich dieser Musik nicht entziehen und haben ihr Programm mit einigen Gospels angereichert und so ihr Repertoire erweitert.
Doch was ist diese Musik eigentlich, was ist Gospelmusik in all ihrer Verschiedenheit?

 Was ist Gospelmusik?

Wenn in der Öffentlichkeit von Gospelmusik gesprochen wird, werden meist Bilder von bekannten und professionellen Formationen wie den afro-amerikanischen „Harlem Gospel Singers“ mit ihrer Frontfrau Queen Esther Marrow transportiert. Kutten gehören dabei ebenso zum Erscheinungsbild wie energetische Bühnenpräsenz und bekanntes Repertoire wie „Oh happy day“, „This little light of mine“ oder „Joshua fit the battle of Jericho“. Diese Liste mit bekannten Gospels und Spirituals kann natürlich beliebig verlängert werden.
Doch die Gospelmusik ist natürlich weit mehr als das, was die führenden Gospelgruppen auf ihren oft zur Weihnachtszeit stattfindenden Tourneen anbieten.

Die Ursprünge der Gospelmusik finden sich im Liedgut der Spirituals der afroamerikanischen Sklaven des 19. Jahrhunderts. Aus dieser Musik entwickelte sich im Laufe der Jahre parallel zu den Entwicklungen im Rhythm and Blues und Jazz eine ihrer Zeit entsprechende moderne Kirchenmusik. Traditionelle Psalmgesänge und Bibelverse wurden dabei mehrstimmig in afrikanische Rhythmen verpackt, so dass die Gospelmusik wirklich im wahrsten Sinne des Wortes als gesungenes Evangelium (god spell: die Gute Nachricht) bezeichnet werden konnte.

Die Gospelbewegung in Deutschland wird heute natürlich immer noch sehr stark von den traditionellen Gospelsongs des 20. Jahrhunderts und Interpreten wie James Cleveland, Thomas Dorsey, Mahalia Jackson oder auch Andrae Crouch geprägt. Gleichzeitig haben sich in der Gospelbewegung hierzulande auch weitere Strömungen gebildet. Aus Skandinavien und hier vor allem aus Schweden kamen in den 60er und 70er Jahren des 20. Jahrhunderts Chöre wie „Choralerna“ und der noch heute aktive Chor „Joybells“ auf, die nach dem Vorbild der amerikanischen Chöre ihren eigenen – weitaus europäischer orientierten Stil – prägten und so eine musikalische Vorlage für die Gospelmusik in Deutschland bildeten. Als einer der maßgeblich prägendsten Chöre hat sich das der norwegische „Oslo Gospel Choir“ unter der Leitung von Gründer Tore W. Aas hervorgetan, der seit seiner Gründung im Jahr 1988 Konzerte auf der ganzen Welt gegeben hat und mit seinem zumeist selbstgeschriebenen Repertoire den Gesangsnerv der deutschen Gospelszene getroffen hat und dieses in regelmäßigen Abständen immer noch tut. Noch heute geht der über 20köpfige Chor immer wieder auf Deutschlandtour und füllt dabei große Hallen...

Die Stimmen stimmen
Ein Beitrag über die Notwendigkeit der Stimmpflege in Laienchören

Von Evemarie Haupt

Bei jedem Instrument ist es selbstverständlich, dass es erst gestimmt werden muss, ehe es in Gebrauch genommen und gespielt wird bzw. ehe ich damit „spielen“ kann. Sogar die einfache Blockflöte des sechsjährigen Schülers braucht ihr „a“. – Wie ist es da mit unserer Stimme?
Es scheint die Annahme zu bestehen, dass sie selbstverständlich einsatzbereit ist, keine „Stimmung“ (!) oder Pflege braucht. Schließlich benutzen wir sie täglich, ohne uns weiter Gedanken darüber zu machen. Erst wenn sie uns Probleme bereitet, beginnt die Frage nach den Bedingungen, die unsere Stimme braucht, um zu funktionieren. Dazu muss es nicht kommen, wenn wir unseren gesamten „Klangkörper“ ähnlich sorgsam behandeln wie jedesMusikinstrument. Die Stimme hat viele Funktionen: elementare Äußerungen wie Seufzen, Gähnen, Lachen, auch Schreien und Rufen, dann das Sprechen und das Singen in allen Variationen. Wie wesentlich gerade diese höchste Funktion unseres Stimmorgans ist, wird erst in jüngster Zeit wieder bewusst wahrgenommen. Warum? Weil es zumindest in Deutschland verloren zu gehen droht: 67% der Deutschen meinen, dass sie nicht singen können, vor allem die jüngeren Jahrgänge. Das alarmiert derart, dass eines der führenden Journale in Deutschland das Thema Stimme sogar zum Titelblatt macht und ihm große Aufmerksamkeit widmet (Focus 1/2010). Die Gründe des Rückgangs sind verständlich.

In der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts war das Singen suspekt geworden, da es vielfach missbraucht worden war. Was mit „der Freude am Singen“ eigentlich verloren geht, beschreibt der Focus-Artikel mit einer Aussage von Bernhard Richter, Professor am Freiburger Institut für Musikmedizin, über das Singen: „[Es] stärke das Immunsystem, flute das Gehirn mit Glückshormonen, befördere den Muskeltonus und erhöhe die Konzentrationsfähigkeit“. Ebenso stärkt es emotionale Empfindungsfähigkeiten, wie die Mezzosopranistin Waltraud Meier sagt. Die Frage warum – oder besser: wozu – der Mensch singt, hat mich sehr beschäftigt und ich habe versucht, ihr nachzugehen (Haupt 2010, S. 15f.). Schließlich wissen wir, dass Chorsänger länger und gesünder leben, wie eine Studie der Universität Frankfurt nachweist. Welche bedeutende Aufgabe ist das für jeden Kirchen-musiker, der mit der Chorarbeit vor einer doppelten Herausforderung steht: einerseits zum „Gotteslob“ die bestmögliche Musik aufzubauen, andererseits zum Wohle der anvertrauten Chorsänger und -sängerinnen zu wirken. Letztlich ist es auch notwendig, für sich selbst und die eigene Stimme in der Vorbildfunktion zu sorgen, sie zu „stimmen“, dazu für die gesamte „Stimmung“ verantwortlich zu sein, damit es insgesamt „stimmt“....
 

 

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